Mandarina


Wenn man unterwegs ist, vor allem außerhalb Deutschlands, dann trifft man inmer wieder auf Leute, die das Essen so verherrlichen und ganz viel davon mit nach Hause nehmen wollen, weil sie nicht genug davon bekommen, weil sie sich auf diese Weise ein bisschen exotisieren vielleicht und vielleicht auch, weil sie so ihr Urlaubsgefühl ein wenig verlängern. Aus Sehnsucht also. Kann ich gut verstehen. Ich habe mir das aber erst gar nicht angewöhnt, weil das nicht funktioniert. Zuhause ist zuhause. Und weg ist weg. Allerdings diese Mandarinen hier in Athen, die einfach so auf der Straße rumliegen, sind paradiesisch und ein Fall für die Sehnsucht. Man sollte allein der Mandarinen wegen im Winter nach Athen reisen. 

Eine Sache mache ich aber doch von Zeit zu Zeit: Ich schaue nach Bonbons, und mitunter nehme ich auch welche mit nach Hause. An Bonbons erkennt man, wie ich finde, die wahre Genießerschaft einer Kultur. Überhaupt ist der Kosmos der Süßigkeiten dort am buntesten und köstlichsten, wo die amerikanischen und Schweizer Zuckermonopolisten mal locker ignoriert werden – eben weil man Besseres zu bieten hat.

Bonbons sind eigentlich nicht so meine Sache, aber es gibt so unfassbar tolle Bonbons auf der Welt. Ich habe noch einen Minzbonbon aus dem Kongo-Brazzaville, der kullert seit sieben Jahren in meiner Küchenschublade hin und her, weil er so schön ist. Weiss mit rosa Streifen. Der Geschmack ist mir egal, ich mag das Aussehen, das Papier, in das sie eingewickelt sind: wie kleine Kunstwerke. Ich spreche von den ganz normalen Bonbons, die jeder so in seiner Hosentasche hat. Von dem, den mir Isaac gab, der Mann, den Lala und ich im Kosovo besucht haben, als wir unterwegs waren für ihr Heuhaufen-Projekt. Ein ganz normaler Bonbon war das, den er mir so zur Begrüßung in die Hand schob. Das habe ich mir sofort von ihm abgeguckt: zwei, drei Bonbons zur Begrüßung dem anderen in die Hand schenken, und fürs erste ist die Sache geritzt. 

Hier in der Nachbarschaft der Boumpoulinas gibt es auch einen Laden, der Whiskey, Schokolade, Crackers und lose Bonbons verkauft. Allein die Tüte, in der die Bonbons abgewogen werden: perfekt. Die Bonbons sind ganz unaufdringlich klein, gedacht für eine kurze geschmackliche Ablenkung, keine große Sache, schön zuckrige Konsistenz. Rund und glatt. Ich dachte ja, es sei Kirsche, rotes Papier und so. Es kam dann noch viel besser: Zimt, Zimt, Mann, richtig richtig scharfer Zimt!

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