Noch mal Maurice

Alle sind vernarrt in Maurice. Moa Li Ze: ungefähr so sprechen sie seinen Namen aus. Und sein Nachname Steger geht ungefähr so: Sch’t I Ger. Vom Taxifahrer bis zum Bürgermeister von Hsinchu: sie alle haben jetzt ein Foto mit Maurice. Mindestens eins und auch ein Autogramm. Maurice Steger wird geradezu vergöttert hier. Man kann das ein bisschen befremdlich finden von außen betrachtet, nicht aber wenn man drei Tage lang dabei ist und sieht, wie er sich dem allem hier hingibt. 

Es ist anstrengend in Taiwan. Proben, Proben, Proben, Konzert, Meisterkurse. Non stop. Direkt von Flughafen aus. Gerade mal frisch machen, ein bisschen ausruhen und dann Selfies machen und Musik. Immer wieder poppen WhatsApp-Nachrichten auf seinem iphone auf. Die Welt außerhalb Taiwans will auch ganz schön viel von ihm. Wo nimmt er die Energie her? Nie wird er ungeduldig, nie ist er schlecht gelaunt, er gibt jedem immer das, was er gerade in dem Moment braucht. Er hat ein unsäglich gutes Gespür für Menschen. Hilfe, wie der brennt!

Die Flöte scheint irgendwie mit ihm verwachsen, er kann sie in jeder Lebenslage, zu jeder Zeit nahezu perfekt spielen. Er zieht sie aus seiner ledernen Tasche und macht damit etwas, was alle Zuhörer sofort verzaubert. Dabei wirkt es so, als würde er „nur mal eben“ was zeigen. Ha ha ha. Nur dass es wirklich niemand so nachmachen kann. Allein das ist schon jedes Mal so, dass einem der Atem weg bleibt. Wenn Musiker wie Maurice Steger Musik machen, die direkt aus dem Leben kommt, die wie aus der Situation geboren in die Welt reinflutscht, dann mag ich das am liebsten. Das zeigt für mich die wahre Könnerschaft, das wahre Musikantentum. Maurice ist so ein Typ, der in jeder Lebenslage Musik machen kann. Den kann man nachts wecken, glaube ich, und er spielt was Krasses von Jan van Eyck. Die Flöten, jedenfalls die, die er nach Taiwan mitgenommen hatte, sind schon auch echte Arbeitsinstrumente. Sie werden gepflegt, aber müssen auch ganz schön viel aushalten. Sie werden nicht so gehätschelt wie in anderen Kreisen eine Stradivari, manche sehen darum auch ganz schön runtergerockt aus.

Die Flöten sind handgemacht. Für ihn konfektioniert, für seinen gigantischen Atem. Gerade diese hier klingt wie eine Trompete, bisschen übertrieben vielleicht, aber im Vergleich zu anderen Flöten ist die wirklich fulminant groß im Klang. Was sie so besonders macht, ist: sie hat in der tiefen Lange ein unfassbares Fundament und einen absolut runden Körper. Samtweich. Sehr einnehmend und umarmend. Die klingt sogar in einem großen Saal weit durch.

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