Nr. 5

„Ja, wir haben vier Gäste, und Sie wären dann Nr. 5!“ sagte mir die junge Concierge am Empfang in Magdeburg und händigte mir meinen elektronischen Hotelzimmerschlüssel aus. Zimmer 505. Aha. Man zählt durch. Dann unterschrieb ich einen Zettel, dass ich tatsächlich nicht aus touristischen Gründen angereist, sondern beruflich unterwegs sei. Alles mit Maske. Alles durch eine Trennscheibe hindurch. Aber komplett ohne Desinfektionszeug. Komisch. Die Räume hinter und neben dem Empfang – alle dunkel und so unbelebt, wie man es im Spätherbst von einem typischen Saisonhotel an der Nordsee kennt, das komplett in sich zusammenfällt und plötzlich alle Farben seines maritimen Interieurs ausgraut, sobald der letzte Gast der Saison abgereist ist. Diese Räume hier in Magdeburg hatten eigentlich viel mehr vor mit ihren Gästen, so groß und weit sind die. Jetzt ächzen sie völlig apathisch im Halbschlaf.

Dabei dachte ich auf der Autobahn noch: Alles im Prinzip schon wieder so wie vorher. Sie rasen immer noch so bescheuert und rücksichtslos, drängeln, fahren zu nah auf, entladen ihre ganze sublimierte Aggression in ihren blöden Karren. Egal, ob Corona oder nicht. Doch kaum bin ich hier in Magdeburg, habe ich das Gefühl, ich bin gerade doch noch nicht so gemacht für diesen Planeten!

Es ist meine erste Dienstreise in/nach Corona. Ich dachte, dass es irgendwann ja mal wieder losgehen muss, und eine Nacht in Magdeburg ist vielleicht ein guter Test. Von wegen. Ich komme mir vor wie in einem Hotel dieser surrealistischen Haruki Murakami-Romane, in dem man reale Türen öffnet, in reale Zimmer geht, mit realem Personal spricht, aber doch nur in seinen eigenen Räumen im Kopf wandelt. So einsam, menschenleer, begrenzt. Man kommt gar nicht raus aus sich. Zum Glück fährt Nr. 5 morgen wieder nach Hause.

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