1 Woche drum stories

Woop woop woop, dear customers : heute Abend kommt endlich unsere Trommel-Doku auf ARTE, für die wir vor genau einem Jahr mit den Drehs begonnen haben. Das ist ein Film mit ziemlich abseitigen, sehr schönen und erkenntnisreichen Geschichten rund ums Trommeln. Die Doku ist vom Storytelling gar nicht so, wie die Leute, die für die „Stages der Mediatheken“ im Moment zuständig sind, es gerne hätten, denn sie zeigt nicht eine Protagonist*in beim mühevollen Abarbeiten seiner/ihrer dramatischen Heldenreise. Nein, die Doku zeigt (wie alle die Filme, die Maurice und ich machen) ganz viele Menschen beim Haben eines besonderen Lebensgefühls. Das ist leider im Moment nicht so en vogue, das mit dem Lebensgefühl… aber ich finde, dass das Filmen von Lebensgefühlen, Atmosphären und Stimmungen immer noch das Schwierigste und Schönste ist – ist ja alles so unsichtbar und doch so gegenwärtig.

In unserem Film stellen wir viele prominente Menschen und Geschichten Seit‘ ans Seit‘, um zu zeigen, dass der Kosmos ums Trommeln heterogen (wer hätte das gedacht?) ist, aber eben doch eine klare sprachliche Basis hat. Jeder der Trommler unseres Films kommuniziert mit der Trommel über einen bestimmten Code. Jede*r Trommler*in, jede*r Protagonist*in hat ihren/seinen Code, der klar definiert ist. Oder wie im Fall von Curt Cress und Manu Katché extrem personalisiert: sie haben tatsächlich ein ganz eigenes Vokabular für sich entwickelt.

Woher das eigentlich kommt, mit der Sprache, der Übersetzung von Trommelschlägen in Worte und Bewegungen, wer tatsächlich heute noch Nachrichten sendet über Trommeln: dem sind wir auch mal nachgegangen. Dafür haben wir einen Abstecher zur Bundeswehr gemacht (ja, echt!) und ins MIM, also ins Musikinstrumentenmuseum in Brüssel. Dort arbeitet die Musikethologin Saskia, die wunderbare Geschichten über Trommelcodes erzählen kann. Einer der beeindruckendsten Experten in Sachen Talking Drum ist Kotey Niikoi aus Ghana, der als Trommler nun in Frankfurt lebt und arbeitet. Über Kotey müsste man mal einen ganz eigenen Film machen.

Ein Highlight des Films ist auf jeden Fall mein Besuch in Japan. Ich war vor der Pandemie im Januar 2020 in Fukui und Kanazawa. Dort in der Nähe hat der weltberühmte Taiko-Bauer Asano Taiko seine Werkstatt bzw. Fabrik. Ich hatte die exklusive Erlaubnis, dort zu drehen. Es war ein Traum. Sumiyo, die Tochter des Chefs, hat mir anderthalb Tage Tür und Tor geöffnet.

Ja, auf diesem Japandreh habe ich auch Takuya Taniguchi getroffen, der bei Null Grad morgens auf dem Gelände des Eiheiji Tempels seine Taiko gespielt hat. (s. weiter unten)

drum stories läuft heute Abend um 23.25 Uhr auf ARTE und dann leider nur 7 Tage online. Bernd Romkowski hat den Film gedreht, ich habe die Episoden in Japan gedreht. Maurice Friedrich hat den Film geschnitten. Für den Ton ist Wolfgang Müller verantwortlich.

ARTE: 22.11.2020, 23:25 Uhr

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