La La Land

Ich war in Helsinki und habe mich drei Tage lang von Lachs und Lakritz ernährt. Das war fantastisch. Helsinki besteht komplett aus Lakritz: es gibt alle Sorten, Schoki mit Lakritz, Likör mit Lakritz, Salmi-Eis, ja sogar Lakritzmilch. Es ist ein einziges Paradies. Auch der Lachs hat in seinen verschiedenen Konsistenzen andere Qualität als in anderen Teilen des Kontinents, Lachs ist hier, was bei uns zuhause früher die Makrele war. Auf meiner Insel haben wir damals zu jeder Tages- und Nachtzeit Makrele gegessen: gebraten, geräuchert, gepökelt, mariniert mit Dill, sauer eingelegt wie Heringe, ich glaube, auch getrocknet haben wir das wie Kaugummi gegessen. Dass wir uns nicht noch eingecremt haben mit Makrele, ist ein wahres Wunder. Helsinki wurde also für drei Tage zum Lakritz- und Lachsland, halt La La Land.

Ich musste moderieren da. Und die Süßigkeiten halfen mir über den Abend. War nämlich ganz schön anspruchsvoll. Die European Broadcasting Union hat in Helsinki einen Chorwettbewerb ausgetragen. Und „wir von der ARD“ haben das live übertragen. Klingt sehr langweilig und bieder, wenn man nur deutsche Chöre kennt. In Skandinavien ist Chorsingen allerdings ein Volkssport. Die singen alle, seit der Kindheit, und zwar außerordentlich gut. Der skandinavische Chorklang ist etwas kehlig, aber glasklar, intonatorisch septisch sauber und von der Abmischung immer sehr kammermusikalisch. Und was die noch machen: die bewegen sich beim Singen. Nicht dieses komische Chorschunkeln meine ich, was hier immer so unkontrolliert hin und herschwappt, sondern ich spreche von einer echten Choreographie. Einer Formation, die die Inhalte noch mal illustriert oder kommentiert. Auch ist die chorische Aufstellung dem Klang des Werks angemessen. Mal ein Halbrund, mal ein Pfeil, mal in kleinen Stimmgruppen. Kannte ich gar nicht. 

Das Festival fand in der Musiikkitalo Helsinki statt, einem wunderschönen Konzerthaus. „Musiikkitalo“ mit zwei „kk“, die ich ganz scharf aussprechen sollte, meinte Heidi, die finnische Producerin, die unfassbar nett geholfen hat, den technischen Kram zu organisieren. Aber ich schaffe nur ein „k“. Das habe ich an ihrem Gesicht ablesen können. 

Es war ein schöner Abend. Die Kolleginnen aus Norwegen nebenan in der Kabine haben mir übrigens das Survival-Lakritz geschenkt. Nordlichter unter sich halt.

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