Parthenon

Auf dem Weg zur Akropolis waren heute nachmittag eine ganze Menge ausgelassener Frauen unterwegs. In kleinen Grüppchen wie bei solchen Junggesellinnenabschieden. Aber für Junggesellinnen waren die Frauen zu alt, die sich auf halber Höhe trafen und vorwiegend lachten. Immer ein bisschen zu laut, wie man das so macht, wenn einem was unangenehm ist. Eine der Frauen saß auf einer Mauer und hatte sich einen Penis als Nase umgebunden. Die lachte aber nicht. 

Steigt man die Treppen zum Parthenon empor, läuft man über Marmorstufen, die so abgewetzt und blank sind, dass sie aussehen wie mit Haut überzogen. Alles Haut. Wenn man drüberstreicht: ganz warm, ganz weich. Wenn man sich draufsetzt, schön bequem. Haut. Mit Adern. Fast elastisch. Man bekommt dadurch so ein lebendiges Gefühl von diesem Ort hier, der eigentlich sehr schön ist. Der Hügel, die Sonne, der Blick auf die Stadt, diese Weite. Das ist ein echt guter Ort, und darum geht hier auch schon wieder der ganze Selfie-Kram los. Gleich hinter der Plastik-Eintrittschleuse und schon lange bevor diese schönen warmen lebendigen Hautstufen anfangen. 

Wer keine Selfies macht, fotographiert jemand anderes, und der oder die Fotographierte macht dann in 90 Prozent der Fälle ein Victory-Zeichen. Das sieht sehr blöd aus, die Bilder sind alle verhunzt dadurch, aber es ist eine Geste, die viele überall auf der Welt für Fotos vor Sehenswürdigkeiten bevorzugen. Ich habe das jetzt schon oft beobachtet. Sogar am 9/11 Memorial in New York posieren sie so. Mit doppelter Victory-Geste! Worüber siegen die Leute an diesen Orten? Ich habe am Ende auch ein Selfie gemacht. Vielleicht ist eine Penisnase im Gesicht aber doch ehrlicher.

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