Kassel

Kassel ist keine Schönheit. Alle wissen das und tun doch immer so, als wäre es besonders lustig und auch mutig, Kassel-Neulingen die Stadt so vorzustellen. Kassels Charme, so läuft wohl das Argument, besteht darin, keinen zu haben. Dabei hat Kassel ein so prägnantes Gesicht wie kaum eine andere Stadt Deutschlands. Nur dass man dieses Gesicht eben häßlich findet. „Man“. Aber gut, wen interessiert schon, was der Mainstream häßlich findet. Kassel ist ein Städtesonderfall und wie jeder Sonderling irgendwie anziehend. Weil so unfaßbar zerstört im 2. Weltkrieg wurde die Stadt in Windeseile wieder aufgebaut, so dass man heute ein beeindruckendes Ensemble 50er-Jahre-Bauten findet. Sehr museal, weil kaum verändert. Zudem sorgt Kassels Topographie, nämlich seine Hügelig- und irgendwie Weitläufigkeit, dafür, dass man nur kurz wieder um die Ecke gehen muss und sich ein neues Ensemble auftut. Das hat was. Viele finden das häßlich, wie gesagt. Vielleicht weil sie sich gegen das ungewohnte Gefühl wehren, das Kassel vermittelt. In Kassel läuft es sich tatsächlich anders als in anderen Städten, einfach weil Kassel anders konzipiert ist. Dadurch hat Kassel tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal. 

In Kassel war ich vor etwa zwei Wochen, um zu sehen, was sich in Sachen d14 tut. Das liegt gefühlt wirklich schon sehr weit zurück. Mittlerweile bin ich wieder in Athen und warte auf die Eröffnung der d14 hier. Wir haben den Korpus des Films schon geschnitten, jetzt sammel ich noch die letzten Bilder ein! Dann schneiden wir den letzten Teil. Erst dann fängt auch die eigentliche Komposition an, wie Maurice und ich immer sagen. Das Zusammensetzen der Episoden im Sinne einer größeren Partitur. Das wird noch einmal haarig. Danach folgen das Texten, die Bildbearbeitung, die Synchro. Erst dann ist die Geschichte, für die ich um die halbe Welt gegondelt bin, fertig.

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