Maurice

Als Meng-Heng Maurice Steger gestern abend fragte, wie viele Menschen er bei der Signierstunde nach dem Konzert denn zulassen wollte, kam ihm die Frage komisch vor, ein bisschen zumindest. Meng-Heng tastete sich an die Antwort wahrlich heran: 100 oder 200? 200 Leute wollen ein Autogramm? Ja, eigentlich viel mehr, aber mehr schafft man nicht, denn schließlich bekommt jeder noch ein Selfie dazu und eben ein personalisiertes Autogramm. 

Meng-Hengs Assistentin Katie verteilte nach dem Konzert darum allen Ernstes kleine Zettel mit Nummern und immerhin so viel Platz darauf, dass jeder seinen englischen Namen hinkritzeln konnte. Und es gab tatsächlich eine lange Schlange im Foyer des Konzertsaals nach dem Konzert. So unterschrieb Maurice also mit einer Engelsgeduld CDs, Programmhefte, Blockflötenkästen, sogar auf ein sehr teures Handy schrieb er seinen Namen, alles mit einer unnachahmlichen Freundlichkeit, mit der er jedem Kind das Gefühl gab, speziell ihm etwas Gutes zu tun. Ich bin jetzt den 2. Tag mit meiner Kamera dabei, und habe noch nie einen Musiker dieses Formats erlebt, der so entspannt und fokussiert zugleich ist, der seine Kunst so sehr mit dem Leben, mit den Menschen um ihn herum verbindet. Seine einnehmende Haltung ist das eine, sein Spiel das andere. 

Ich habe unfassbar viel über das Blockflötenspiel gelernt in dieser kurzen Zeit, vom genauen Hinsehen durch die Kamera, allein gestern das meiste über seine Atemtechnik. Ich habe ihm in der Probe ein Ansteckmikrophon an das Hemd geklemmt, der Blockflötenklang war dadurch zwar schlichtweg überdehnt, aber ich habe seine besondere Atemtechnik aufgenommen. Ein schlürfendes Ziehen, laut, wässrig, ein Atem, der wie bei einer Degustation von Wein über die Zunge gezogen wird. Ganz ganz besonders ist das. Das muss ich mal irgendwann anders näher beschreiben. Denn das ist wirklich wirklich einzigartig. Wie der sich vollsaugt, ohne vollzupumpen, und wie er das dann in Klang verwandelt. Das macht den Unterschied.

Das Konzert heute abend war jedenfalls ein voller Erfolg, der Bürgermeister von Hsin Chu kam und blieb sogar zur Überraschung aller bis zum Schluss, Maurice händelte alles charmant und professionell. Und Meng-Hengs kleines Orchester war am Ende stolz, diesen Abend, dem alle so lange entgegengefiebert hatten, endlich geschafft zu haben. Exaltierte Bravi, 2 Zugaben. 

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