Wigmore Hall + Wimbledon

Zu gerne hätte ich am ersten Juli-Wochenende in Wimbledon vorbeigeschaut, aber es hat sich leider nicht ergeben. Ich hatte einen anderen Job in London. Und der hat mich mindestens ebenso mega-beeindruckt. Ich fange mal weiter vorne an. Wer öfter Radio hört oder selber macht, vor allem was mit klassischer Musik, der hat es ab und zu mal mit Konzertsälen und Aufführungsorten zu tun. Man hört dann „Covent Garden“ oder „Carnegie Hall“ oder „Scala“ oder oder oder. Und wenn man da noch nicht war, dann kommt es einem immer so ein bisschen egal vor. Okay, toller Konzertsaal, aber weit weg. Seitdem ich aber mal den einen oder anderen Saal auf der Welt gesehen habe, bin ich Feuer und Flamme zu hören, wie „der Raum denn so klingt“. Das war ja auch ganz großes Thema bei der Eröffnung der Elphi in Hamburg. Und wer einmal in Bayreuth war, wird es auch kennen oder sofort verstehen und fortan seine Ohren spitzen.

Anfang Juli war ich in der Wigmore Hall. Wigmore Hall. Very british. Wie man das schon ausspricht. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es sich hier um ein akustisches Elysium handelt. Ungelogen. Der Raum ist eine Offenbarung, je weniger Leute, umso besser. Muss man leider sagen, obwohl man hier allen Musikern ein großes Publikum wünscht. Und am besten Kammermusik oder Solo. Maurice Steger hatte einen Termin in der Wigmore Hall zum Lunchkonzert mit dem Cembalisten Jean Rondeau. Und das war extraordinary schön. Ein Lunchkonzert an einem Montag um 13.00 Uhr, total nett und unkompliziert. BBC3 überträgt diese Konzerte in der Regel live, eine sehr lässige und zugleich resolute Moderatorin moderiert direkt vom Parkett von einem kleinen Katzentisch aus, das Publikum gleich nebendran, sehr casual.  Man schwebt so rein in die kleine Halle, bleibt ein Stündchen, hört die Musik und schwebt wieder raus.

Weil man in London ja 1000 Sachen an einem Tag machen kann, verspielen sich diese Lunchkonzerte ein wenig in Londons Trubel, der dicht, hitzig, immer bisschen frivol und um den ersten Juli herum auch recht sonnig und schwitzig war. Diese  Coolness bekommt der Musik sehr gut. Das Konzert kam nicht so streng daher.

Dazu muss man sagen, dass Maurice Steger und Jean Rondeau zu der Klasse von Musikern gehören, die nichts mehr erschüttern kann. Wir haben nämlich das Konzert auch noch gedreht für die arte-Doku. Und die Bilder mit Fred, dem Kameramann und der „Band“ sind knapp zwei Stunden vor dem Konzert direkt auf der Bühne entstanden. Die beiden haben Nerven aus Stahl, denn es gehört nicht zu den angenehmsten Dingen auf der Welt, ständig von einer Kamera verfolgt zu werden. Aber was soll ich dazu sagen. Es ist immer eine schwierige Gratwanderung, aber wir sind am Ende so glücklich über diese besonderen Bilder.

Kurz vor dem Konzert durften wir dann noch im Grünen Raum Platz nehmen, backstage. Eine plüschige grüne Angelegenheit, die es so nur in London gibt. Glaube ich.

An den Wänden – ganz viele Bilder von großen Musikern. Und komisch, ich dachte so bei mir, in Wimbledon sieht es backstage bestimmt ähnlich aus.

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