Ein Leben für die Kunst: die Raupen der Frau Merian

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Wir hatten fantastische Props am Set. Diesen gigantischen Blumenstrauß, der geradewegs aus dem 17. Jahrhundert hätte stammen können. Und Raupen: 10 Rosenkäferengerlinge, richtig schön dick, weiß und recht quirlig für meinen Geschmack,  mit ein paar Haaren auf der Glatze, und so weiße Raupen, kleine schlanke. Ganz süß. Ich weiß nicht mehr, was aus ihnen mal werden sollte, wenn sie sich denn entpuppten, aber irgendwas im Falter-Bereich sollte es schon sein. Ich glaube ja, dass sie keine so große Zukunft mehr haben werden. Eigentlich begann ja alles ganz verheißungsvoll: wir haben sie auf den schönsten Blättern, Früchten und Blumen spazieren lassen. Wir haben ihnen ein Paradies bereitet. Prächtig, kostbar, üppig. Das Paradies währte aber nur kurze Zeit, denn leider musste die Redakteurin Jannikhe vom Städel Museum die kleinen Statisten heute schon wieder in die Zoohandlung zurückbringen. Sie waren nur geliehen. Ich glaube, sie wurden mittlerweile gefressen von irgendeinen Reptil dort. Aber wir können mit Stolz sagen: die Tiere haben den Rest ihres Leben für die Kunst gelebt. Und zwar für große Kunst.

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Wir drehen gerade einen neuen Film für das Städel Museum. Die Würmchen zeige ich später, die sind nämlich jetzt echte Filmstars. Im Oktober. Wenn der Film fertig ist. Dann beginnt dort die Ausstellung über die Malerin Maria Sybilla Merian. Die war mal auf einem 500-Mark-Schein. Vor allem aber hat sie fantastische Blumenbilder gemalt. Im 17. Jahrhundert war das. Das beste ist jedoch: sie hat die Metamorphose der Schmetterlinge entdeckt und erstmals richtig dokumentiert. Bevor sie das gemacht hat, wusste man nicht, dass aus einer Raupe ein Kokon wird und dass daraus dann ein Schmetterling schlüpft. Maria Sybilla Merian, die 1647 in Frankfurt geboren wurde, war eine ziemlich engagierte und kluge Forscherin und Künstlerin, die drei Raupenbücher herausgegeben hat: eines schöner als das andere. Wenn man die Bilder heute sieht, also so um die 300 Jahre später, ist man immer noch absolut begeistert von der Farbgebung, der Präzision und der räumlichen Darstellung. Bei manchen Bildern hat man wirklich den Eindruck, die Blumen, die Raupen, kommen aus dem Bild raus.

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Michael Reichert, der Kameramann, hat diese Dreidimensionalität fantastisch eingefangen. Wir haben nämlich mit einer „Arri“ gedreht. Das ist eine Spielfilmkamera. Ja, eine echte Spielfilmkamera! Und genau darum sind die Engerlinge und die Raupen auch wirkliche Filmstars. Den Film machen wir – wie immer – um die Ausstellung ein bisschen zu erklären. Er ist zu Beginn der Ausstellung online zu sehen auf der Homepage des Städel Museums. Es lohnt sich wirklich mal, einen Blick auf diese Künstlerin zu werfen. Wenn man ihre Bilder sieht, denkt man „naja, Blumen halt“. Aber wenn man versteht, dass das eben keine bloße Genre-Malerei ist und war fürs Wohnzimmer, sondern immer auch wissenschaftliche Dokumentation, dann bekommt man Respekt. Die Biographie der Merian ist ziemlich spannend. Sie hat geheiratet, zwei Töchter bekommen, hat ihren Mann dann aber verlassen (sofern man das als Calvinistin damals überhaupt konnte), sie hat jedenfalls Tricks angewendet, um ihn loszuwerden und ist dann auch noch zu einer Forschungsreise nach Surinam aufgebrochen. Im 17. Jahrhundert! Der Film ist noch nicht fertig. Wir drehen Anfang Oktober noch die zarten Pergamente. Die Ausstellung macht dann am 11. Oktober auf. Wird gut, glaub‘ ich.

 

 

 

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