Here comes the drum

Meine Schuhe sind jetzt Kunst. Hab‘ sie jedenfalls zu Kunst erklärt. Ein Readymade à la Duchamp. Ich werde sie nicht putzen, sondern die Zeit ihr Übriges tun lassen. Auch ganz à la Duchamp. Nach einem Dreh in Berlin waren meine Boots am Ende des Tages so gesprenkelt, meine Haare und mein Brille übrigens auch. Aber am schönsten sahen meine Schuhe aus. Und ich dachte mir so, die geben bestimmt guten Halt in den nächsten Wochen.

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Es sind diese Zeiten, in denen ich wie eine Fremde in meinem eigenen Körper herumstehe, denn wir drehen gerade wieder einen neuen Film. Dazu touren wir den November über durch Deutschland und Europa – Bernd, der Kameramann, Wolfgang, der Tonmann, und ich. Düsseldorf, Paris, Berlin, München, demnächst geht es noch nach Genf. Es ist nicht dieses unentwegte Unterwegssein. Das bringt einen ja bekanntlichh immer sehr zurück zu sich selbst. Es ist eher, dass alles so ratzfatz geht, dass der schwere Körper dem leichteren Geist nicht so schnell folgen kann und ich mich immer noch mehr einfinden möchte in die neuen Welten, auf die wir treffen, während mein Körper auf der Rückbank eines VW Busses fünf Stunden bei Wind und Wetter über die Autobahn geschüttelt wird. Wir hatten sogar schon Schnee!

Wir machen einen Film über Trommeln und erzählen außergewöhnliche Geschichten von Musikern, Instrumenten, Klängen, weil die Trommel absolut elektrisiert. Aber zu viel will ich gar nicht dazu sagen, nur: meine Schuhe haben Trommler bemalt. Nicht absichtlich, mehr so nebenbei. Sie malen mit Trommeln bzw. sie visualisieren über Farbe die Kraft ihres Schlags. Richtig gut, vor allem wenn man mitten im ohrenbetäubenden Wumms steht und im bunten Sprenkelregen hemmungslos baden kann, weils ja angeblich bei der nächsten Wäsche wieder rausgeht.

Die Trommel ist zwar nicht das älteste Instrument, das ist die Flöte, wie ich kürzlich im Athener Archäologischen Museum erfahren habe, aber die Trommel ist kulturell universell. Jede Kultur hat Trommeln, mit der die Leute Signale, also Botschaften, übertragen, Musik machen, Heilung vorantreiben. Die Trommel kann einfach sehr viel und das schon seit mehr als 2000 Jahren.

Die Idee des Films ist darum ein bisschen philosophisch, könnte man sagen. Wir wollen nicht nur so Geschichtchen erzählen, sondern gehen der Frage nach, warum uns die Trommel eigentlich so in den Bann zieht. Ist es der Schlag auf das Fell? Also fahren wir rum und fragen die Leute danach. In Düsseldorf trafen wir Wadokyo, ein fantastisches Taiko Ensemble. Und hier haben wir erst so richtig kapiert, was ein Schlag auf die große Odaiko bedeutet. Erzähl‘ ich dann im Film.

Ein Kommentar zu “Here comes the drum

  1. Mal wieder soooo schön erzählt, Natascha, und aus Nix eine Geschichte gemacht!!! Jetzt sind wir gespannt auf den Trommel-Film!!!

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