Enjoy the ruins

Wenn man im EMST aus dem Fenster schaut, sieht man den netten Spruch. Welcome and enjoy the ruins. Der ist fast so gut wie die ganze d14 hier in Athen. Athen ist gut in Ruinen, und das Schöne ist: die liegen hier so rum, man latscht durch oder wandelt interessiert. Je nachdem, was man von den Ruinen so will. Schön ist diese Beiläufigkeit. In der Ubahnstation liegen Ruinen rum, in der Plaka, immer dann, wenn man es am wenigsten erwartet, trifft man auf irgendwelche Brocken. Und ob man will oder nicht, man wird zumindest kurzzeitig daran erinnert, dass das unsere Vergangenheit ist, dass das die Trümmer sind, in denen das ausgedacht wurde, was uns noch heute zusammenhält, was wir für gut befinden.

Wer nicht auf Ruinen schaut, wird geradezu elektrisiert durch Graffiti. Man könnte hier Monate verbringen, um die Kunstwerke in der Stadt abzufotographieren. Die d14 hat mich heute in die Kunsthochschule katapultiert. Wenn man mit der Ubahn fährt und dann das letzte Stück durch die Straße mit dem Pinienduft und durch das komische Industrieviertel zur „asfa“ geht, dann ist das allein schon deshalb ein Gewinn, weil man da ohne d14 nie rumlaufen würde. Weil heute Pfingsten ist oder Montag oder was auch immer, hatte der Ausstellungsraum in der „asfa“ geschlossen, aber die Graffti waren nicht zu.

Also habe ich da mal ein bisschen gestöbert an den Wänden und ließ meinen Blick auf die d14 korrigieren. Athen ist nämlich auch gut im Sprüchemachen: es gibt hier so typische Athen-Aphorismen, typisch deshalb, weil der Humor wirklich mitunter sehr viel besser ist als sonstwo. Das ist meine private Meinung. Also Geschmackssache. Mein Lieblings ist das hier:

Zugegeben, ich bin ein bisschen Fangirl der d14, aber diese Umdichtung des d14-Mottos trifft es schon, wenn… Wenn man sich darauf eingeschossen hat, dass die d14 in Athen ein chauvinistischer Akt ist, vielleicht auch ein zynischer, und wenn man glaubt, dass Athen nur als Kulisse benutzt wird für einen pseudokritischen, am Ende doch nach denselben kommerziellen Gesetzen funktionierenden Kunstzirkus. Ich glaube das nicht, weil die d14 innerhalb der sie unverrückbaren Prämissen einer internationalen Ausstellung tatsächlich bis ans Äußerste gegangen ist und weil sich – mal privat gesprochen – durch die d14 tatsächlich mein Blick auf die Welt verändert hat. Aber das eben auch durch diese Sprüche hier, nicht allein durch die d14-Kunst, die hier gezeigt wird. Gegen die d14 sein in Kombi mit der d14: das regt einen die ganze Zeit ja gerade so auf.

Wer die 18 Ageneis sind, muss ich noch googlen. Sie gehören aber, glaube ich, nicht zu der Gruppe, die die d14 (soweit reicht mein Surfer-Griechisch dann doch) als eine einzige Schei… bezeichnen.

Die selbstreferentiellen Meta-Gedankenspiele sind mir jedoch am liebsten, weil sie methodisch oder didaktisch immer wieder zeigen, dass das sokratische Fragen, made in Greece, doch immer noch sein Gutes hat.

Man kann echt viel lernen von Athen.

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