Barockakademie Menuhin Festival

15 junge Spieler, so talentiert, dass sie eine Woche lang in einer Meisterklasse mit Maurice Steger Musik machen dürfen. Ja, „dürfen“, denn selbst wenn man nicht Blockflöte spielt, dann kann man sich als Zuschauer ins Publikum setzen und zuhören und sich freuen: wie fantastisch sie spielen und wie aufregend Maurice Steger sie Schritt für Schritt weiterführt. In die Barockwelt, zu ihrer Flöte (die guten Instrumente kosten über 3000 Euro), zu ihrer Spielerpersönlichkeit. Man kann unfassbar viel lernen über Artikulation, Rhetorik und Stilkunde und vor allem über Farben und Schattierungen des Blockflötenklangs. Das ist eine große Welt, die wenig mit dem Getute zu tun hat, das wir aus dem Schulunterricht kennen. Wer sich noch immer über das Instrument lustig macht, ist wirklich doof.

Wir sind in Gstaad, vielmehr Schönried, einem lieblichen Flecken mehr im Süden der Schweiz, ausstaffiert mit viel Grün, Bergen und Echinacae, hügelig bis bergig, in Schönried, in das der liebe Gott die Menschen ihre wirklich sehr geschmackvollen Chalets hat bauen lassen, so dass man vor lauter Idylle nicht mehr atmen mag, vor allem wenn Blumen, Berge, Grün und Chalets so stilllebenhaft sich selbst ausmalen, nur weil mal ein bisschen Sonne dazukommt. Aber sogar wolkenverhangen ist es schön hier.

In Gstaad läuft seit Juli das Yehudi Menuhin Festival mit vielen Konzerten für schon eher reiche Leute, aber es gibt eben auch die Förderung des Nachwuchses. Hier in Schönried hält Maurice Steger seine Barockakademie, nebenan in Gstaad gibt die Mutter von Cecilia Bartoli eine Meisterklasse für sechs Sängerinnen und Sänger. Die jüngste ist Sophie, sie ist 17 und hat schon mit 13 Jahren bei Dieter Bohlens Supertalent mit einer Puccini-Arie den 4. Platz gemacht. Cecilia Bartoli selbst ist auch da. Sie stellt mit der Cappella Gabetta heute ihr neues Album vor, und wir  durften gestern die Generalprobe hören. Die ersten drei Arien war sie etwas unentspannt, vielleicht weil ein Fernsehteam da war. Dann aber verließen die die Kirche, und Frau Bartoli zog sich um, kam in schwarzer Jogginghose, recht coolen Zoot-Joggingschuhen und offenen Haaren zurück. Und dann lief’s bei ihr. Wie gewohnt. Was man sagen muss und selten hört: in Jogginghose klingt sue nochmal um Klassen besser!

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